Wohn- und Geschäftshäuser „Gleistribüne“

EschSintzel Architekten

Wohn- und Geschäftshäuser „Gleistribüne“

Im Spannungsfeld

Zwischen autonomem Gleisraum und kleinteiliger Straßenseite bewegen sich die drei Wohngebäude. Durch geschickte Auffächerung schließen sie die Baulücke vor dem Zürcher Hauptbahnhof elegant.
Esch.Sintzel Architekten
Die Urbanisierung der Gleisfeld-Ränder unmittelbar vor dem Zürcher Hauptbahnhof erinnert an die Kultivierung der Seeufer im 19. Jahrhundert. Ähnlich wie dort Hafenanlagen und braches Schwemmland zu Promenaden und Plätzen umgewandelt wurden, wird nun das Gleisfeld als privilegierte Lage erkannt: zentral gelegen, von vielen Standorten aus sichtbar und seinerseits von der weiten Sicht profitierend auf die – neben dem See – größte Freifläche der Stadt. Aus der Rückseite der Stadt wird eine Vorderseite.


Die Baufelder haben aber noch eine zweite Vorderseite, die zur Zollstraße. Während der Gleisraum vom großen Maßstab geprägt ist, gehört die Straßenseite in die kleinteilige, engmaschige Blockrand-Stadt des 19. Jahrhunderts. Hier gelten für bauliche Interventionen strenge Regeln, während auf der Seite zum Gleisfeld hin ein größeres Maß an Autonomie möglich ist.


Im Kräftefeld zwischen diesen zwei so verschiedenen Seiten finden die Baukörper zu einer Form, welche sich aus den Bindungen der Straßenseite allmählich löst und zu einer frei geformten Auffächerung auf der Gleisseite entwickelt. In dieser aufgespreizten Gebäudeabwicklung wird die Wahrnehmung aus der Bewegung thematisiert, werden doch die Häuser aus dem beschleunigenden oder abbremsenden Zug wahrgenommen.


Die bewegte Grundform der Baukörper und die Exponiertheit des Ortes verlangen nach einer umso robusteren Struktur, welche den Gebäuden Halt und Ruhe vermittelt. Deshalb sind die neuen Häuser von stämmigen Pfeilern aus Klinker-Mauerwerk gefasst, gehalten und getragen. Dem gegenüber sind die offenen Wandfelder in Holzelementbauweise konzipiert, sodass permanente und transitorische Elemente in der Fassade klar artikuliert sind.


Die vorfabrizierten Klinkerpfeiler sind starr verfugt mit den Betonelementen, sodass auf Dilatationen und Kittfugen weitgehend verzichtet werden konnte. Als Fußsortierung mit Mörtelfugen ähnlicher Farbe vermauert, entsteht eine flächige Wirkung von großer Tiefe.

 

EschSintzel Architekten

Ort
Zürich, Schweiz
Bauherr
SBB Immobilien AG, Bern / Totalunternehmer: Porr (Suisse) AG
Grundstückfläche
6.350 m²
Bebaute Fläche
2.750 m²
Nutzungsfläche
11.750 m²
Umbauter Raum
59.461 m³
Bauzeit
2017 – 2019